Freitag, 20. August 2010

Abstecher in die Spiegelwelt

Ein fremder Gedanke. Er wird im hintersten Winkel des Verstandes eingepflanzt. Und er wächst heran. Unbewusst bemerkst Du es. Und Du fragst Dich, warum Du plötzlich so agressiv wirst, wenn Andere Menschen Dir vorschreiben, wie die Welt ist, Du jedoch ganz andere Vorstellungen davon hast.

Ich war vorgestern mit dem Zug nach Zürich unterwegs. In Zürich angekommen, stieg ich aus dem Zug aus und versuchte ein Gedankenspiel, welches ich aus dem Film "Inception" mit Leonardo DiCaprio entnommen hatte. Ich stellte mir die Frage: "Was wäre, wenn ich jetzt träumen würde und aufgewacht wäre, und dies hier alles lediglich Projektionen meines Unterbewusstseins sind?" Ich dachte mir nichts weiter dabei, doch auf einmal schien alles wie synchron zu laufen. Wohin ich auch ging, ich spürte, ohne Hinzuschauen, wohin die Menschen gehen würden, wohin sie gucken würden. Und jeder, der nicht in Zürich lebt, sondern höchstens ab und zu Mal dort vorbei guckt, weiss, dass es manchmal richtig schwierig wird, in niemanden hinein zu laufen. Ganz im Gegenteil. Ich ging einfach meines Weges und stellte fest, wie sich manche Menschen nach mir umdrehten, als ob sie bemerken würden, dass gerade etwas merkwürdiges vor sich ging. Ich versuchte niemanden zu steuern, dennoch vermute ich, dass mein Blick immer genau dorthin wanderte, wo ich gerade eine Resonanz, eine gewisse Verbindung, wahr nahm.

Das Gefühl in mir d'rin war auch irgendwie recht enthusiastisch. Ich fand das Gedankenexperiment irgendwie einzigartig und ich fragte mich, wieviele denn sich sowas jemals hinterfragen würden. Ich meine, wer kann schon behaupten, dass die Welt, in der er lebt, von ihm erschaffen wurde oder ist sich zumindest darüber bewusst, dass eine neue Sicht der Dinge tatsächlich gewisse Dinge verändern könnte? Und das... nur 'mal so angenommen, nichts mehr als eine verrückte Idee ist, die mit der Realität nichts zu tun hat?

Auf dem Weg wurde ich von eher älteren Damen direkt angelächelt, als würden die mir sagen wollen "Hey, Du schlimmer Finger Du... " und ich traf dann ein jüngeres Mädel auf dem Weg zur nächsten Bahn, wie sie jemandem ganz eifrig simste. Ich berührte sie und meinte: "Stopp! Pass' ja auf, dass Du nicht in die nächste Stange läufst!" Und sie meinte: "Ja, Du hast Recht. Die Stange da vorne bewegt sich rasant schnell auf mich zu!" Daraus wurde eine höchst interessante Begegnung. Es ist, als würde man irgendwo seinem Spiegelbild begegnen, weil wenn man selbst lächelt, lächelt auch die andere Person. Wenn man selbst gut d'rauf ist, fühlt sich die andere Person automatisch auch wohl, u.s.w.

Ich stieg wieder in den Zug ein, um eine Station weiter zu fahren. Das war merkwürdig. Es war gerade, als hätte ich in einem Traum gesteckt und wäre darin aufgewacht. Und auf einmal ist dieses kurze Aufleben dieser Wachheit wieder weg. Verloren. Das Gefühl ist nicht mehr Reproduzierbar, egal, wie gut ich mich versuche, daran zu erinnern. War ich im Traum? Oder war ich für einen kurzen Moment meines Lebens wach?

Eines Tages laufen die Dinge zusammen, und ich wache vielleicht auf... für immer...

Woher wissen wir, ob das, was wir für Realität halten, tatsächlich reell ist, von uns gekreiert, von uns selbst erschaffen, und nicht von jemand anderem?

Mir gefiel die Erklärung im Film "Inception". Im Traum erschafft unser Verstand, und nimmt gleichzeitig wahr. Dies lullt den Verstand so ein, dass er nicht mehr in der Lage ist, fest zu stellen, ab wann er träumt. Erst nach einem Traum bemerken wir, dass etwas merkwürdig wahr. Luzide Träumer machen Reality Checks, um sicher zu stellen, wann sie träumen und dass sie träumen. In der Realität wissen wir jedoch nie so genau, wann wir wirklich wach sind, und wann wir träumen. Wir laufen paar Mal den gleichen Weg, und achten uns kaum mehr d'rauf, wohin wir laufen. Kein Wunder, verlaufen wir uns im Alltag, verrennen wir uns in Emotionen und geben anderen Menschen die Schuld für unsere eigenen, negativen Gefühle... wir fühlen uns schlecht, weil uns jemand etwas böses getan hat. Oder wir machen uns selbst dafür fertig.

Wenn wir aufwachen, ist das alles nicht mehr nötig. Wir erkennen unseren Spiegel, denn, um jemandem weh zu tun, brauchen wir immer auch jemanden, der innerlich damit einverstanden ist, dass ihm weh getan wird. Dies hat mit dem Menschen selbst nix zu tun, sondern mit der Resonanz. Da wir jedoch in einem Lernprozess sind, werden wir stets von neuem gefordert, unbewusste, negative Haltungen zu erkennen und aufzulösen. Und wie wäre das Erkennen leichter als mit einem Spiegel, der uns vorgehalten wird?

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